About  
Writings on Art
Fiction





STEFAN EWALD WRITER

WRITINGS ON ART & FICTION



Eine Firma, die sich selbst produziert

über die künstlerische Arbeit von Olga Monina
(Katalogtext im Rahmen der Ausstellung “WHY DID THE ARTIST CROSS THE ROAD? HEGENBARTH TRIFFT GEGENWART”, 02.03.-13.05.2017, SAMMLUNG HEGENBARTH BERLIN)

Darf ich vorstellen: Olga Monina. Sie ist Geschäftsführerin einer jungen, dynamischen Firma, hat drei Mitarbeiter und ihren Firmensitz im Gewerbegebiet Dreilinden Drewitz bei Kleinmachnow. Olga Monina, die aufstrebende Chefin eines Startups mit dem Namen BravoAg, einer Firma, die - wie soll man sagen - eben etwas produziert. 

- Was die Firma produziert, fragen Sie?
- Nun, was die BravoAg produziert, ist wirklich kein Geheimnis! Es ist einfach nicht der Rede wert.
- Eine Firma, deren Produkt egal ist?, haken Sie nach.
- BravoAg ist eine Firma, die sich selbst produziert.

Die Künstlerin Olga Monina präsentiert uns zwei Hochdrucke, die den Eindruck erwecken, wir sähen eine Arbeit, die sich noch mitten im Prozess des Werdens befindet. DANKE/BEDANKT/LOTTO erinnert an Büromaterial und Korrespondenzpapiere mit firmeneigenem Briefkopf. Die Dokumentation eines Schriftverkehrs, der uns auf eigenartige Weise vertraut und dennoch zugleich fremd vorkommt. Man lässt den Blick über den Druck schweifen und erkennt: Die Handschrift, deren Schwung an Schreibversuche aus der Grundschule erinnern, stammt aus dem Computer und wurde womöglich mit der Maus gezeichnet. Ebenso die Grafikelemente des Corporate Design: Sie wirken unzusammenhängend, nahezu beliebig.

Gedanklich ergeben die einzelnen Steine ein Mosaik: Das dysfunktionale Büromaterial einer dysfunktionalen Firma erweist sich als rhetorischer Kniff, mit dem die Firmenchefin ihre Identität als Künstlerin und die Identität der Firma als Kunstwerk offenbart.

Olga Monina bedient sich der Organisationsstruktur eines Start-ups, um dieses radikal umzudeuten und schließlich als Kommunikationsmittel zu gebrauchen. Die BravoAg stellt kein klassisch konsumierbares Produkt her. Die BravoAg hat nur die Aufgabe sich selbst zu produzieren.

Mit VIELEN DANK thematisiert Olga Monina die Position des Künstlers in der Dienstleistungsgesellschaft. Sie stellt die Frage, was ein leistungsstarker Künstler in der Leistungsgesellschaft zu leisten hat. Ein Kunstwerk zu schaffen, reicht schon lange nicht mehr, um in der Kunstwelt bestehen zu können. Die Künstlerin wird zu einem Unternehmen in Personalunion; das Kunstwerk zu einem beliebigen Produkt. Die Investition in ein Start-up namens Künstlerkarriere und die Erwartung und Hoffnung auf Rendite, all das kulminiert in einer Künstlerpersönlichkeit unserer Zeit. Die Arbeit von Olga Monina kommentiert diese Entwicklung nicht nur, sondern enthüllt deren Absurdität. 

- Wohin nun mit den großen Erwartungen an die Kunst, wenn am Ende doch alles absurd ist?
- In den Papierkorb damit, könnte Olga Monina sagen. Eine Pressemitteilung ihrer Public-Relations-Abteilung diesnbezüglich bleibt abzuwarten.